Besuch aus Speicher und Teneriffa

Mit Überraschung nahm man beim Steinhauerverein Anfang Januar eine Anfrage des Genossenschaftlichen Gymnasiums Speicher entgegen, mit der Bitte, den Schülerinnen und Schülern das Thema Tuffstein näherzubringen. Bei der Gruppe handelte es sich um spanische Austauschschülerinnen und -schüler aus Icod de los Vinos, einer Gemeinde im Nordwesten der Kanareninsel Teneriffa und Schüler/-innen aus Speicher. Das Gymnasium in Speicher führt derzeit ein Erasmus-Plus-Projekt zum Thema „Die Besonderheiten der Natur und Kultur der Vulkanregion Vulkan- und Osteifel“ durch.

Erasmus Plus ist ein Programm der Europäischen Union, das europaweite Projekte und Austauschmaßnahmen unter anderem im Schulbereich fördert. Ziel ist es, interkulturelle Begegnungen zu ermöglichen und gemeinsam mit einer Schule vor Ort ein Projekt zu einem bestimmten Thema umzusetzen. Die Federführung lag bei Vivien Rupieper, Lehrerin unter anderem für Spanisch und Erasmus-Koordinatorin.

Nach kurzer Beratung mit den Heimatfreunden konnte ein attraktives Programm zusammengestellt werden. So kam am Montag, den 26.01.2026, ein Bus mit 21 Schülerinnen und Schülern im Alter von etwa 14 Jahren sowie fünf Lehrerinnen nach Weibern.

Gruppenfoto mit einer Halbgruppe der spanischen und deutschen Schüler/-innen mehr ihren Lehrkräften. Rechts die Gesamtverantwortliche Vivien Rusieper. (Foto: Privat)

Aufgeteilt in zwei Gruppen erlebten die Jugendlichen jeweils 90 Minuten lang zwei Programmpunkte: den Besuch des Tuffsteinmuseums sowie die praktische Bearbeitung eines Tuffsteins. Im Museum erläuterte Heinz-Udo König von den Heimatfreunden die Geschichte des Tuffs und seine Bedeutung für Weibern. Dabei konnten die Schülerinnen und Schüler auch selbst Werkzeuge und Werkstein in die Hand nehmen. Parallel dazu wiesen Johannes Montermann und Bernhard Klapperich vom Steinhauerverein die Gruppe in die Bearbeitung des Tuffsteins ein.

Trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt zeigten die Jugendlichen reges Interesse, und die Ergebnisse konnten sich durchaus sehen lassen. Bewusst hatte man kleinere Motive wie Herz, Stern oder Blatt ausgewählt, da speziell die Austauschschüler aus Teneriffa ihre Werkstücke ja später im Flugzeug mit nach Teneriffa nehmen wollten.

Den Abschluss bildete die Besichtigung des Abbaugebietes des Mendiger Basalts von der dort eingerichteten Aussichtsplattform aus. Hier konnte eindrucksvoll der heutige Abbau verfolgt werden. Vor der Weiterfahrt zu den Braukellern nach Mendig waren sich alle einig, dass sich der Besuch in Weibern – trotz der überaus kühlen Jahreszeit – gelohnt hatte.

Überdies zeigte sich einmal mehr, wie in Weibern Vereine Synergien nutzen und gemeinschaftlich Projekte erfolgreich umsetzen

Zum Finale trumpfen die Steinhauer in Weibern noch einmal auf – Die Barbara-Kirmes ist Geschichte

Aufwendige Logistik, veränderte Erwartungen und der demografische Wandel: Es gibt viele Gründe, weshalb Traditionsfeste ins Wanken geraten. Im Eifeldorf Weibern hat der Steinhauerverein nun die Notbremse gezogen. Zum letzten Mal fand die Barbara-Kirmes im Mehrzwecktrakt der Robert-Wolff-Halle statt – und zum Abschluss legten die Steinhauer noch einmal richtig los.

Geboten wurden eine Kaffeetafel, eine Malaktion für Kinder, ein Schätzwettbewerb mit Steinwürfeln, historische Ansichtskarten aus 125 Jahren Weiberner Geschichte, ein Besuch des Nikolaus, Mundart von Dialektvirtuosin Jutta Bell, deftiger Döppekoche sowie Livemusik der Band „ThoSe“. Auch Verbandsbürgermeister Johannes Bell und die CDU-Landtagsabgeordnete Petra Schneider waren unter den Gästen.

Der Steinhauerverein existiert seit 1994 in dem Ort, dessen Steinmetze unter anderem am Kölner Dom und am Berliner Olympiastadion mitgewirkt haben. 2017 wurde aus der früheren Winterkirmes – der „Wonte-Kirmes“ – die Barbara-Kirmes, getragen vom Steinhauerverein und den Heimatfreunden. Sankt Barbara gilt als Schutzpatronin der Bergleute und Steinmetze.

Eigentlich hätte das Konzept mit Mundart, Musik und Tradition weiterhin funktionieren können. Doch die zweijährige Corona-Zwangspause hinterließ deutliche Spuren. „Der Zuspruch wurde immer weniger“, berichtet Bernhard Klapperich vom Steinhauerverein. Der Vorstand des rund 100 Mitglieder starken Vereins entschied sich daher, neue Wege zu suchen.

Auch Ortsbürgermeister Florian Müller zeigt Verständnis: „Das Aus für die Barbara-Kirmes ist schade, aber absehbar gewesen. Der Aufwand stand nicht mehr im Verhältnis zum Besuch aus dem Dorf.“ Auch aus den Nachbarorten seien weniger Gäste gekommen. Eine Ausnahme: Nikolaus Michael Pitack, selbst Steinmetz, der eigens aus Rieden vorbeischaute.

Klapperich dankte seinem Organisationsteam um Beate Nürnberg, Stefanie Montermann-Müller und Rene Dahm sowie besonders den neuen Mitstreiterinnen Nadja Rausch und Sarah Wolfrum, die mit frischen Ideen überzeugt hätten.

Ganz ohne Perspektive soll das Traditionsfest jedoch nicht bleiben. „Wir werden Gespräche mit dem Vereinsring führen“, so Klapperich. Denkbar sei eine Verlagerung in die Sommermonate und eine Anbindung an das bestehende Musikformat „Live auf der Rampe“, das dann jährlich stattfinden könnte. „Ob das klappt oder ob andere Ideen entstehen, werden wir im Januar mit den Dorfvereinen beraten.“

Die Malaktion kam bei den Kindern sehr gut an

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